07:53 Uhr | Vivien Klose

»Was für ein wunderschöner Morgen. Ich stieg hinauf in diesen Raum und war überwältigt von der Schönheit Münchens. Der gegenüberliegende Turm strahlte mich geradezu an, im Hintergrund die Frauenkirche, und die vielen weiteren Kirchen, die mir ein Gefühl von Heimat geben.

München ist bereits erwacht – Autos, LKWs, die ersten Krankenwagen des neuen Tages, Mütter (und Väter?), die ihre Kinder in die Schule bringen, Jogger, die ihrem Sport nachgehen …

Ich erblicke die Alpen, erst ganz klar, dann verschwinden sie langsam aber sicher hinter einer diesigen Wolke …

Ich denke an andere Sonnenaufgänge zurück, an verschiednene Orten der Welt, und auch in München. Es ist immer wieder anders – nicht nur aufgrund der Wetterlage, der Saison, sondern auch weil man selbst in einer anderen Lebenssituation ist. Ich erinnere mich an die vergangenen Tage, mit Vorfreude denke ich an die Weihnachtszeit, und auch die Stadt erinnert mich mit schnee- und eisbedeckten Dächern an diese schöne Zeit. Es ist erstaunlich, was ein  hoher Aussichtspunkt mit einem macht: Man sieht hinab auch Dinge, Menschen, mehr und distanziert sich – man wird Beobachter. Man versetzt sich in die einzelnen Personen und überlegt sich, wie ein Leben an Stelle dieser Person wäre.

Gleichzeitig vermischt sich dieses Distanzgefühl mit einem Gefühl, als ob man sich selbst aus einer 3. Person heraus betrachtet. Was mache ich hier als Türmer? Nehme ich den Auftrag an, und versuche, ein bewussteres Leben zu führen? Meist sind es schwerwiegende Momente, die eine(n) zur Besinnung bringen.

Und manschmal ist es einfach nur ein Sonnenaufgang, mitten in München, und doch erhaben und weit weg vom Leben.«