7:34 Uhr I Josef Heißenhuber

»Eine dichte Nebelwand begrüßt mich und zwingt meinen Blick auf die direkte Umgebung. Ich studiere Details: rauchende Schornsteine, Menschen, versteckte Dachterassen.
Meine Augen verweilen auf der Baustelle unter mir. Ich blicke auf. Was für eine Freude: Da erscheinen die ersten Gebäude auf der gegenüberliegenden Isarseite: der Turm des Deutschen Museums, herrschaftliche Wohnhäuser, das Europäische Patentamt.
Wie im Theater lichtet nun der Nebel Vorhang um Vorhang: die Auer Kirche, die Maximlianstraße mit Oper, das Bonzen-Hochaus vom Glockenbachviertel, St. Maximilian, die Staatskanzlei, Heilig Kreuz in Giesing …
Ich bin glücklich, dieses Schauspiel miterleben zu dürfen und klebe förmlich an der Scheibe. Geradezu euphorisch macht mich der Anblick von Frauenkirche, Theatinerkirche, und »Oidem Bäda«.
Als sich der Nebel noch weiter hebt, habe ich kurz Gänsehaut. Mir wird klar, dass es Ruhe, Zeit und Aufmerksamkeit braucht, um »klar zu sehen« – aber eben auch ein bisschen Glück.
Zuletzt sehen meine Augen die Türme des städtischen Heizkraftwerks, direkt beim neuen Gasteig. Da wohne ich ums Eck. Und dahin kehre ich jetzt wieder zurück. Unglaublich bereichert und zufrieden.«

 

Heißenhuber Aussicht