20:10 I Marion Agatha

»Wie spannend – schon der Aufstieg, der erst Blick über die Stadt. Von hier oben habe ich München noch nie gesehen. Martina, meine nette Begleiterin, lässt mich in die ›Box‹. Aufregend. Ich gehe ganz nach vorne bis an die Scheibe und bleibe dort stehen. Meine Blicke schweifen ganz hektisch hin und her. Es gibt so viel zu sehen. Ganz nah, direkt vor der Scheibe viele Mücken, ein Vogel, der direkt vor der Scheibe hinunter fliegt und unten weiter seine Kreise zieht. Autos, Radler, Roller, Fußgänger… Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich beobachten möchte. Da durchzieht ganz in der Ferne ein Blitz den im Südosten dunkelgrau, ja fast lilafarbenen Himmel. Ein Gewitter zieht auf. Wie herrlich – ein Naturschauspiel. Das Gewitter bleibt in der Ferne, begleitet mich aber meine ganze Stunde und gibt so dem Himmel eine ganz besondere Stimmung. Drehe ich den Kopf ein wenig nach rechts, sehe ich einen zwar etwas wolkenverhangenen, trotzdem wunderschön gefärbten Abendhimmel. Die Sonne sehe ich nicht, kann sie aber erahnen. Mein Blick schweift über die Kirchtürme – ich überlege, wie die Kirchen heißen. Und schon durchzuckt wieder ein Blitz den Himmel zu meiner Linken. Wie schön und abwechslungsreich mein Bild ist. Mein blickt senkt sich, ich beobachte die Passanten. Wohin ihr Weg wohl führt? Da fährt ein Radler mit seinem Surfbrett vorbei. Bestimmt kommt er aus dem Englischen Garten. Stimmt, da hinten kann ich den ein wenig erkennen. Satt grün stehen die Bäume da. In meiner Box ist es warm. Sommer. Ein Gefühl von Sommer. Zurück zu den Passanten. Kaum einer hebt seinen Blick empor. Doch da kommen zwei über die Ampel – sie schauen, reden, winken. Ich winke zurück. Sie winken noch einmal. Ich sehe ihnen nach. Sie verschwinden in Richtung Isar. Ach, ich könnte hier noch ewig stehen und Dinge beobachten, entdecken. Wieder ein Blitz. Dankbar stehe ich an der Scheibe – alleine in meiner Box – und doch nicht einsam, sondern Teil eines großen Ganzen. Ich bin ruhig geworden und glücklich, für diese Stunde hier sein zu dürfen. Es war wunderbar. Herzlichen Dank!«