19:28 Uhr I Jens Milbrandt

»Gefühle eines Türmers:
Aus dem Alltag gefallen; am Treffpunkt wunderbar empfangen; aufgestiegen in den Vorraum; dann die letzten Leitern, Freude, Aufregung; die Tür wird geschlossen, ich bin allein, trete nach vorne, die Stadt unter und vor mir. Zuerst zwei Sichten: Ein Dächer-Meer, abstrakt, distanziert und doch mit dem Gefühl, hier sind überall Deinesgleichen, aber auch der Blick auf die Kreuzung unter mir, mit einzelnen Personen, Individuen, welche ich beobachte. Plötzlich werde ich beobachtet. Exponiert, kein Rückzug möglich, ein unangenehmes Gefühl, trotz der Distanz. Folgend ein Himmelsspiel, lange Wolkenfetzen, erste Rottöne, die Berge werden angestrahlt, mein Blick richtet sich auf die Natur. Wechsel zum Abendrot, ein Weg aus funkelnden Dächern bahnt sich von meinem Aussichtspunkt bis zur Sonne am Horizont. Tatsächlich flankiert von goldenen Kreuzen der Kirchtürme. Schön, fast kitschig. Die Stunde neigt sich, die Sonne geht tatsächlich rot unter. Meine Gedanken gehen zu meiner Oma Jette, die bei solchen Sonnenuntergängen sagte: „Die Engel backen Plätzchen“. Heute erzähle ich das meinen beiden Söhnen: Momo und Valentin. Eine Stunde, so viele Emotionen. Lieben Dank den Organisatoren und den Sponsoren, die mir diese Stunde ermöglichten.«

03.05.2021 Jens Milbrandtt Aussicht