06:40 Uhr I Birke Siebenbürger

»Ich hätte mir doch noch ein weiteres Paar Socken anziehen sollen, denn meine Füße frieren. Abgesehen davon, hätte ich locker noch ein paar Stunden länger dort stehen können. Was für ein gigantischer, weiter Blick! War mein erster Gedanke, als ich die Treppe zu dem Holzkasten hochgestiegen bin. Grauer Himmel, die Stadt wie mit Puderzucker bestäubt. Es beginnt zu schneien, erst ganz kleine Körnchen, dann dickere Flocken, die vor der Glasscheibe nach oben schweben. Ein Vogel schießt gefühlt 20 cm von rechts nach links an mir vorbei. Sportlicher Flug! Die Sicht wird immer schlechter, es sind kaum Menschen zu sehen. Ich denke: man sieht viel, aber Vieles sieht man auch nicht. Wer sitzt da in den Autos? Wer lebt da in den Häusern? Was passiert da gerade? Wo geschieht das Leben? Die Gebäude, Straßen, Plätze sind ja nur die Kulisse. So viele Kirchen und Kräne. Seit ziemlich genau 13 Jahren lebe ich nun in München. Es hat mich eher zufällig beruflich hierher verschlagen. Die ersten zwei bis drei Jahre musste ich mich einleben und von meinen Klischees lösen (zu teuer, zu sauber, zu reich, zu chic)… mittlerweile gibt es so viele Ecken, die ich liebe und ich habe die Stadt als Ganzes sehr lieb gewonnen. Insofern war das Türmen heute über der Stadt ein ganz besonderes Geschenk für mich!«

07.04.2021 Birke Siebenbürger Aussicht