07:19 Uhr I Stefanie Schwarte

»Es ist grau an diesem Morgen, der Schnee schmilzt, es tropft von den Bäumen und Dächern. Ganz anders als in den vergangenen Tagen, in denen München unter blauem Himmel und mit strahlendem Sonnenschein erwacht ist. Und trotzdem macht mir dieser graue Morgen Hoffnung auf die Zeit nach dem Tauwetter. Ich kann den Frühling kaum noch erwarten, denke ich, während ich am Fenster stehe und den Innenhof beobachte. Dort ist ein Eichhörnchen, welches ein Vogelfutterhäuschen plündert. Mit der Zeit gesellen sich immer mehr Krähen dazu, die im Hof unter dem Schnee nach Essen suchen. Kaum ein Nachbar macht sich auf zur Arbeit – viele werden wie ich von zuhause arbeiten. Meine Gedanken schweifen ab, es fällt mir immer schwerer, mich auf den Moment zu konzentrieren. Schließlich gebe ich nach und meine Gedanken wandern von der Arbeit zu dem Film, den ich gestern geschaut habe, dann zu Sorgen über die aktuelle Pandemie-Situation und wieder zurück in den Augenblick. Ich denke darüber nach, wie dankbar ich bin, in diesen Zeiten einen Job zu haben, eine warme Wohnung, Freunde und Familie, die ich zwar im Moment nicht in Person, aber zumindest digital regelmäßig sehen kann. Da klingelt auch schon mein Wecker – meine Stunde als Türmer ist schon wieder vorbei. Die Zeit verging schneller, als ich es erwartet hätte und ich bin froh, mit so positiven Gedanken in den Tag zu starten.«

16.02.2021 Stefanie Schwarte Aussicht