07:38 Uhr I Nora Gaupp

»Ich bin in München geboren. Es ist »meine« Stadt und ich fühle mich hier zu Hause. In meiner Stunde hier oben auf dem Gasteig lag die Stadt unter einer tiefen Nebeldecke. Ich konnte also nicht weit über die Stadt blicken, sondern nur ganz nah. Ich kam mir vor wie in einem Wimmel-Buch. So eines, wie ich es als Kind hatte. Und so habe ich mich auch ein bisschen gefühlt. Ich habe den Autos, den Radlfahrer*innen, den Vögeln, der Baustelle, den Menschen zugeschaut. Im Vergleich zu meiner Kindheit und zu meinem Wimmel-Buch von damals hat sich die Stadt, hat sich die Gesellschaft geändert. Die Autos sind weniger bunt, es gibt Lastenräder und Radl-Anhänger, die Menschen im Reisebus tragen Masken. Vieles ist aber auch gleich geblieben. Die Menschen haben es eilig, in die Arbeit, die Kita oder wohin auch immer zu kommen. Die Bagger sind rot oder blau, die Tauben picken auf dem Boden, die herbstlichen Bäume werden bunt.

Ich bin in meiner Stunde hier oben auf dem Gasteig wehmütig geworden. Ich kann nicht genau sagen warum. Und ich habe mich den Menschen, die ich von hier oben gesehen habe, zugehörig gefühlt. Ich hatte das starke Gefühl, ich bin eine von ihnen. Obwohl – oder gerade weil ich hier oben ganz für mich war. Vielleicht passt das München-Lied von Coconami gut zu meiner Stimmung – es geht darin um das Gefühl, Teil dieser Stadt zu sein. Ein gutes Gefühl …

Nora«

 

Nora Gaupp Aussicht