18:10 Uhr I Wiltrud Fischer

»Theatralisch wird meine Türmerstunde mit Kirchenglocken eingeläutet. Ich schaue auf diese für mich so vertraute Stadt hinaus und bleibe an all den Gebäuden und Wahrzeichen hängen, mit denen ich das ein oder andere  persönliche Erlebnis verbinde. Zugleich bleibt mein Blick  an all den anderen Gebäuden und Umrissen – und den vielen Kränen! – hängen, die ich bisher noch nie aktiv wahrgenommen habe. Gute Unterhaltung bietet mir das unmittelbare Strassenleben, direkt unter mir schier endlose Autokolonnen, fleißige Bauarbeiter, Fußgänger und allerlei Fahrradfahrer, deren unterschiedliche Fahrstile ich mit Neugier analysiere. Trotz meiner exponierten Lage fühle ich mich dabei wie eine stille, heimliche Beobachterin, von keinem wirklich wahrgenommen – außer von meiner Frau Mama, die mir freudig zuwinkt und mit mir non-verbal kommuniziert. Die Sonne rötet sich und der Himmel bildet einen farbenfrohen Hintergrund zum Münchner Kindl oberhalb des Müllerschen Volksbades. Theatralisch endet meine Türmerstunde mit dem Ertönen eines Martinshorns. Merci vielmals für diese vertraute und doch so neue Perspektive auf mein München!«

22.09.2021 Wiltrud Fischer Aussicht