18:18 Uhr I Gabriele Ullrich

»Titel: Ein bisschen Folter …
München = Folter !?! Eine neue Seite meiner Stadt, so extrem kenn ich sie nicht …
Gabriele Ullrich
Ganz seltsam und verkehrt heute. Die Sonne schien, ich freute mich auf einen wunderschönen Sonnenuntergang aus dem Bilderbuch! Beste Bedingungen, so wie ich meine Stadt liebe. München mit all seiner Schönheit, mit und aus dem Licht gesehen und bestrahlt.
Wer das Leben kennt, weiß aber auch um den Schatten-(Anteil). Kaum im Wächter-Turm, »meinem Aufmerksamkeitsplatz«, angekommen, ging die unerwartete Anstrengung los. Heiß wie in der Sauna, kaum auszuhalten, und … ja tatsächlich, heute ist das »Kleine Oktoberfest«, die Corona-Version, dieses hat ausgerechnet heute begonnen. Stimmt, habe ich vergessen, ich mag diesen Massenauflauf nicht, aber auf dem Weg hierher zum Wächterturm wurde viel gefeiert. Und dann die absolute Negativ-Erfahrung: direkt neben dem Gasteig so laute Techno-Musik mit vielen Basstönen, nur Bum-Bum, kaum auszuhalten. Auch ein Teil von München, dieser laute, lärmende Teil. Ich habe mich so in der Höhe auf die meditative Ruhe gefreut, bei einem beeindruckenden Sonnenuntergang.
Was heißt das für mich? Erwartungen an meine Lieblingsstadt loslassen? Lärm en masse, hupen, Hitze? Sehr eigenartig, diese Erfahrung für mich. Zudem so viele Baukräne über die ganze Stadt verteilt! Es überrascht mich total! Das Volksbad, auf dem mein Blick ruht u. das ich als meditativen Fixpunkt gewählt habe, kommt mir wie ein Relikt aus einer anderen Zeit vor. Strahlt Ruhe aus u. Gelassenheit! 40 Jahre bin ich nun in München und ich frage mich: Ist es noch meine Stadt? Hilft mir diese Erfahrung, schneller eine Entscheidung zu treffen? Nochmal woanders ein neues Leben beginnen? Gerade ist das alles sehr seltsam und verwirrend für mich! Auch der verlassene Gasteig! Aufbruch? Neuanfang???«

 

Gabriele Ullrich Aussicht