06:35 Uhr I Lea Geszti

»Halb sieben, ich glaube, wir haben heute Freitag. Die Stadt wacht auf. Es wird voller, lauter, heller und mir, kälter. Mein Herz klopft immer noch und gemächlich werden meine Finger wieder warm. Ich hatte mal gelesen, dass unsere Hände ausschließlich schwitzen, wenn wir nervös sind oder Angst haben, nicht jedoch bei körperlicher Betätigung. An diesem Morgen lerne ich das Gefühl von kühlendem Schwitzeffekt an meinen Handflächen kennen. Sie haben mich gewarnt davor, mich mit meiner Höhenangst über die Dächer Münchens zu begeben. Ich wusste, worauf ich mich einließ. Und ich sollte sowas öfter machen. Der Blick, die Lebendigkeit der Angst und ehrlich, die großartige Akustik in dem Raum, waren alles Zittern wert. Schwankend zwischen einem unbesiegbaren Machtgefühl, einer ernüchternden Unbedeutsamkeit, Momenten der schwebenden Ruhe und meinem eigenen morgendlichen Vogelgesang, ist es schon wahrlich faszinierend, was mit einem so geschieht in einer Stunde, nur mit sich und dem Rest der Welt allein. Danke dafür.«

 

03.09.2021 Lea Geszti