»Wir können stolz sein auf dieses Projekt und unseren Beitrag dazu« – die Begleiter*innen von Türmer München

»Bei jeder anderen Veranstaltung sind wir gewohnt, selbst vor Ort zu sein«, sagt Julia Eulenburg, Projektleiterin der Türmer-Performance. »Doch diese Performance besteht im Grunde aus 730 Veranstaltungen – zweimal täglich, 365 Tage im Jahr. Ohne die Begleiter*innen wären wir auf gut Deutsch gesagt aufgeschmissen. Sie sind für uns die wichtigste Stütze und dafür sind wir unendlich dankbar.«

Ganz besonders machen dieses Projekt – da sind sich wirklich alle einig – unsere 36 Begleiter*innen! Sie sind ehemalige Türmer*innen, die für die Teilnehmenden ehrenamtlich vor oder nach ihrer Stunde auf dem Gasteig-Dach da sind. Aus diesem Anlass möchten wir die Menschen vorstellen, die das Projekt am Laufen halten!

 

Alida Gerlach
»Als ich im März 2021 von dem Türmer-Projekt gelesen habe, war ich elektrisiert. Seit meiner Jugend steige ich gerne auf jedes Dach, bei dem sich die Gelegenheit bietet. Es stellt sich da ein angenehm kribbeliges Gefühl ein von Freiheit, Übermut, Überblick, Gedanken schweifen lassen, andere Blickwinkel einnehmen, etwas Nervenkitzel. Mir war auch sofort klar, dass ich da nicht nur einmal hoch möchte auf die Türmer-Plattform! Mich hat es auch gereizt, unbekannte Menschen zu begleiten und an ihrem Glück da oben teil zu haben. Mein schönstes Erlebnis war, eine Türmerin zu begleiten, die nur auf einem Auge 2 Prozent Sehkraft hat und die ihre Stunde genossen hat wie die anderen Türmer*innen, aber für mich ganz neue Wahrnehmungen in ihrer Stunde erlebt und beschrieben hat.«

 

Markus von Armansperg
»Mich reizte es, Teil einer künstlerischen Performance zu sein, die viele Menschen dieser Stadt einbinden würde und natürlich lockte der ungewöhnliche Ausblick auf München! Gefreut habe ich mich speziell als Begleiter auf die individuellen Begegnungen mit mir vollkommen unbekannten Türmer*innen! Schön sind die immer neuen und von beidseitiger Offenheit geprägten Begegnungen. Besonders wichtig ist mir jedes Mal der erste Blick auf die Stadt, wie ist er heute, sind Wolken am Himmel oder ist die Sicht klar, auf welche Orte richtet das Licht diesmal seinen Fokus, sind die Berge zu sehen, mit Schnee oder ohne? Für mich macht das Gefühl, nicht nur einen Menschen zu begleiten, sondern damit zusammen tatsächlich über München zu wachen, im Sinne ›von die Stadt behüten‹, das Begleiter-Dasein aus.«

 

04.01.2021 Andea Lippold PortraitAndrea Lippold
»Immer waren die von mir Begleiteten glücklich über die Möglichkeit, am Projekt teilnehmen zu können. Dementsprechend aufgeschlossen, freundlich und begeistert begegneten sie mir. Ich habe interessante Gespräche geführt über das Leben in München, den Gasteig, über Chöre, kulturelle Höhepunkte… Begleiten bedeutet für mich, mit einem anderen Menschen ein Stück Weg zusammen zu gehen, mich auf sein Tempo und seine Wünsche einzustellen, ihm Sicherheit zu geben und zu versuchen, ihm eine gute Zeit zu ermöglichen. Meine Erfahrungen aus der hospizlichen Begleitung helfen mir insofern, als ich gelernt habe, fremden Menschen ohne Wertung oder Erwartung zu begegnen. Das mir entgegengebrachte Vertrauen und die kurzen, intensiven Momente sind Geschenke, die ich in dieser kontaktarmen Zeit besonders wertschätze.«

 

Ute M.
»Da ich im Gasteig arbeite, weiß ich, wie schön und inspirierend die Aussicht vom Dach ist. Ich wollte daran mitwirken, auch andere Menschen in diesen Genuss kommen zu lassen. Mehrere Türmerinnen (in der Tat nur Frauen) haben sich fast schon überschwänglich bei mir bedankt, dass ich mir die Zeit dafür nehme, sie zu begleiten. Sie haben das nicht als selbstverständlich erachtet. Wir müssen das tatsächlich nicht runterspielen, sondern können stolz sein auf dieses Projekt und unseren Beitrag dazu. Das Begleiterin-Dasein macht für mich aus, für andere Menschen eine gute Atmosphäre zu schaffen, damit sie einmal eine Stunde loslassen können.«

 

Wolfgang Löhlein
»Warum bin ich Begleiter geworden? Das hat mehrere Gründe. Natürlich vor allem erst mal eine große Begeisterung für das Projekt. Und das Gefühl nach meiner Türmer-Stunde im März, dass mir das noch nicht gereicht hat. Der Türmer hat noch Türmer-Hunger. Und so empfinde ich auch jeden meiner Begleiter-Termine: als eine erneute Art von Türmer-Erfahrung. Ich habe jedes Mal auch eine Auszeit für mich selbst, während der von mir betreute Türmer*in im Aussichtsraum ist, ich habe jedes Mal die grandiose Aussicht vom Dach des Gasteig, die zu jeder Stunde und an jedem Tag, zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter wieder anders und zugleich faszinierend ist. Des Weiteren: Ich bin Teil einer Performance, deren Gelingen auch von meinem bescheidenen Anteil abhängt. Und ich habe Begegnungen mit wundervollen Menschen, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Einige haben mich wirklich nachhaltig beeindruckt.«

 

Karl Russwurm
»Das Leben ist wie eine Landschaft. Es gibt die Berge/Highlights und es gibt die Täler/Lebenskrisen. Meist ist man aber in der Ebene unterwegs und sieht nur das nahe liegende. Innehalten, Bilanz ziehen, den Blick über das eigene Leben gleiten lassen, dazu kommt man selten. Ich habe mich für das Türmer-Projekt entschieden, weil es hier genau diese Gelegenheit gibt: Überblick, Ordnung, Einordnung, neuer Aufbruch. Als Begleiter lernt man Menschen kennen und erfährt manches, was im alltäglichen Getriebe untergeht. Der schönste Augenblick auf dem Dach ist für mich, wenn der Friedensengel bei Sonnenaufgang herüberstrahlt.«

 

Santiago Seoane Portela
»Warum mache ich mit? Die Begegnung mit den verschiedensten Menschen, manche sehr kommunikativ, andere eher ruhig, macht es abwechslungsreich und spannend. Außerdem tragen wir als Begleiter eine große Verantwortung für den Erfolg des Projekts. Wir sind zur Sicherheit der Türmer da. Ich bin gerne bereit, mit einem überschaubaren Teil meiner Freizeit die Realisierung dieses kulturellen Projekts zu ermöglichen. Wir Begleiter bekommen zudem einen Blick ›hinter die Kulissen‹. Mit wieviel Einsatz das Team des Gasteigs das Projekt trägt und sich um uns Begleiter kümmert, ist toll. Es steckt viel Arbeit und Energie dahinter, wie so oft im Kulturbereich. So sehe ich meinen Einsatz als Begleiter auch als eine Unterstützung und Wertschätzung der Kultur dieser Stadt, in dem ich etwas von meiner Zeit zur Verfügung stelle.«

 


Helena Ernst
»Als ich von der Performance ›Türmer München‹ gelesen habe, war mir sofort klar, dass ich gerne daran teilnehmen möchte. Ich hatte Glück und konnte zwischen vielen verschiedenen Terminen auswählen. Dabei wurde auch gefragt, ob ich als Begleiterin bei der Aktion mitmachen möchte. Mein Gedanke war sofort: Natürlich! Ich bin Restauratorin für moderne und zeitgenössische Kunst und finde es immer spannend, wenn ich auch aktiv bei laufenden Performances bzw. Kunstaktionen dabei sein kann. Mein schönstes Erlebnis als Begleiterin ist es immer wieder aufs Neue auf dem Dach des Gasteigs sein zu dürfen, um den Aussichtsraum für den nächsten Türmer vorzubereiten. Die Aussicht ist jedes Mal die gleiche und doch sieht München von oben jeden Morgen bzw. Abend anders aus. Vor allem in diesem Jahr habe ich es zudem genossen, so viele verschiedene Türmer kennenzulernen. Die kurzen Gespräche waren immer sehr schön und oft auch sehr inspirierend.«

 

Ralf Otto
»Mir hat sofort die Idee gefallen, einem Projekt über ein Jahr lang in seiner Entwicklung zu folgen und zu ›begleiten‹. Ich selbst habe zu Hause getürmt. Dann habe ich im Gasteig begleitet und die Türmer*innen waren so beglückt, geradezu erfüllt von diesem Erlebnis, dass mich ihr Glücklichsein angesteckt hat. Mittlerweile bin ich Teil eines kleinen Projektes, dass den Türmer inklusiv zugänglich machen möchte. Das finde ich ein wichtiges Anliegen. Es gestaltet sich nicht einfach und falls wir es nicht so umsetzten können, wie wir dies alle gerne möchten, dann finde ich, war es den Versuch auf jeden Fall wert. Ich freue mich sehr darüber, dass der Gasteig dieses kleine Projekt ermöglicht hat.«

 

Nicole K.
»Zunächst wollte ich eigentlich nur Teilnehmerin sein. Da aber bereits alle Plätze zu dem Zeitpunkt belegt waren, las ich von der Option andere bei diesem Erlebnis zu begleiten. Wichtig war für mich diesen atemberaubenden Raum in schönem Holz und Licht zu sehen und einmal drinzustehen. Dieser Wunsch hat sich erfüllt und nun habe ich schon einige Türmer*innen begleiten dürfen. Besonders schön dabei finde ich immer die vorherige Spannung der Türmenden: Wie wird es sein? Wie genau ist der Ausblick? Was wird passieren oder was werde ich denken und machen? So viele Fragen, die dann irgendwann mal ganz automatisch ihre Antworten finden ohne, dass man dafür besonders viel tun muss. Das ist ein schönes Schauspiel der Emotionen für mich.«

 

Christiane Hensel
»Obwohl ich noch keine genaue Vorstellung von der Umsetzung des Projekts hatte, faszinierte mich die Idee, diesen besonderen Standort zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten, Wetterlagen zu erleben. Besonders neugierig war ich auch auf Begegnungen mit Menschen, die ich nicht kenne und mit denen ich an bestimmten Tagen im Laufe eines Jahres eine Stunde über den Dächern von München verbringen darf. Zu dieser Erwartung kam noch eine neue Komponente, die mir erst im Verlauf meiner Erfahrung als Begleiterin klar wurde: Es ist auch eine Begegnung mit mir selbst, weil die eigene Stimmung, Tagesverfassung immer anders ist. Gerade durch die Wiederholungen der rituale empfinde ich die Veränderungen in der Wahrnehmung viel intensiver, je öfter ich Menschen in diesen besonderen Aussichtsraum begleite. Ich empfinde es als meine Aufgabe, für eine angenehme Atmosphäre davor und danach zu sorgen, denn für die Türmer*innen ist diese Stunde ein einmaliges Erlebnis, allein, in der Stille, mit dem blick auf München, in Gedanken und Empfindungen einzutauchen.«

 

Gabriele Hetterich
»Als ich vom Türmer-Projekt zum ersten Mal gelesen habe, wusste ich: Da will ich mitmachen, auch als Begleiterin. Warum? Natürlich wegen der genialen Aussicht. Und die Idee, sich mit anderen zu verabreden, über die eigene Stadt zu wachen, finde ich wunderschön. Dazu wollte ich einen Beitrag leisten, für München, für alle, die am Projekt beteiligt sind. Der Stadt ›etwas zurückgeben‹ – das habe ich auch von anderen Begleitern schon gehört. Ich mache Frühschichten und stehe dafür um drei Uhr auf – kein Thema: es lohnt sich! Die Zeit kurz vor Sonnenaufgang hat etwas Magisches. Wenn ich zum Aussichtsraum hochsteige, um ihn vorzubereiten, ist es noch dunkel. Ich bin allein mit der Stadt, sie liegt da unten, ganz unberührt und friedlich. Man sieht, wie schön München ist. Einen Moment lang gehört die Stadt mir. Jede Türmer-Stunde, die ich bisher begleitet habe, war etwas Besonderes – das liegt an der Freude der Leute über dieses Erlebnis. Alle schienen mir nach der Stunde beeindruckt, irgendwie glücklich, vielleicht sogar ein paar Zentimeter über dem Boden. Das ist toll und es freut mich, dass ich das ein bisschen mit ermögliche.«

 

Brigitte Eußner
»Ich bin in der Kultur zuhause, war lange Zeit selber in verschiedenster Funktion vor allem im Theater tätig. Ein Leben ohne Theater, Tanz, Musik, Kunst und Begegnungen mit anderen Menschen ist für mich nicht vorstellbar. Gerade mit meinem Eintritt in die Rente kam auch Corona daher. Ich habe mich doch sehr von der ›kulturellen Teilhabe‹ ausgeschlossen gefühlt. Und so habe ich jeden ›Strohhalm‹ ergriffen, der des Wegs kam. Im März konnte ich gleich zu Beginn als eine der ersten zum Sonnenaufgang in dem Holzkubus mit dem tollen Lichtstreifen türmen. Endlich wieder andere Räume, andere Weite, andere Gesichter und Horizonte, wunderschöne Ausblicke vom Dach des Gasteigs. Manchmal fühlte ich mich mit dem Wind in den Haaren wie auf einem riesigen Dampfer. Selbst an verregneten Tagen mit dunklen Wolken sah man von oben den berühmten Silberstreif am Horizont, die Sonne zeigte sich oftmals noch in letzter Minute. Und außerdem spürte ich wieder stärker die Verbundenheit mit anderen, hatte interessante Gespräche und eine kleine Aufgabe, die ich doch gerne erfülle. Danke an das Team, die sich hervorragend um uns Betreuer kümmern und das Projekt über den langen Zeitraum am Laufen halten.«

 

Außerdem sagen wir DANKE allen weiteren Begleiter*innen, die ebenso regelmäßig auf dem Dach des Gasteig anzutreffen sind: Doris Amann, Ann-Sophie Falk, Saschiko Fritz, Harald Fürmetz, Uli Fürst, Manuel Gollner, Sonia Hey-Schneiderhan, Floor Hoogland, Heiner Horstmann, Angelika Kasper, Barbara Klöver, Dorothea Kormann, Annette Leva-Dehm, Anna Mochnac, Ricarda Ott, Nina Püschel, Martina Rößler, Minca Scholz, Katrin Strathus, Denis Strauch, Amelie Troßmann, Tobias Unterguggenberger, Ansgar-Thorben Zabel.

Ohne euch wäre Türmer München nicht möglich, vielen Dank!