20:15 I Sabrina Ahm

»Regen. Der hat mich diese Woche oft begleitet und wer hätte es gedacht so auch heute. Gerade lauf ich los zu meiner Türmer Stunde und wie gerufen plätschert das Wasser vom Himmel. Irgendwie war es schön. Ich hab mich gefreut. Stand da oben und sah so auf die Stadt, durch ein verschmiertes Glas. Nein nicht verschmiert, wohl eher überlaufen von Tropfen über Tropfen. Man sah nicht klar. Lustig wie diese Situation absolut auf den Punkt traf. Gedanken fliegen leicht vorbei wenn man so eine Stunde ganz für sich hat, in Ruhe, man blickt auf eine Stadt, die so viel Inhalt hat. Es schwirrt so viel herein in meinen Kopf, in diesen Raum, duftend nach frischem Holz (welches fällt mir leider nicht ein). Dabei hätt‘ ich mir gewünscht ich wär allein. Hier oben fiel mir so viel ein. Ich dachte mal konkret nur an sie, an diese Stadt. Fühlte Hass noch mehr aber Liebe. Sah ein paar Straßen, die ich immer mit dem Fahrrad befahr, Orte, die ich nur zu gut kenn, sah in die Ferne und nach unten vor meine Füße. Ganz tief hinab auf Köpfe und Schirme, die liefen die Straße hinab. Dachte wie viel ich ihr gegeben hab dieser Stadt, wie viel sie mir und was alles nicht geschehen wär, stünd ich jetzt nicht hier. Fühlte mich sicher genau hier, was für eine Ironie gerade jetzt auf so ner Plattform, gefühlt schwebend im Nichts. Fühlte mich sicher, weil ich in München war, weil ich hier glücklich sein darf.«