20:03 Uhr I Dirk Bengesser

»Man betritt den Raum, es riecht nach Holz und die Wärme des Shelter wirkt wie eine Wand, wenn man zu der Scheibe geht. Der Blick nach unten lässt mich einen kleinen Respektabstand einhalten. Die Türe geht zu und die klaren Geräusche klingen auf einmal dumpf und hohl! Das unsichere Gefühl weicht und ich gehe direkt an die Glaswand. Ich beobachte die Menschen, manche winken mir zu. Man fühlt sich mitten in der Stadt, aber gleichzeitig ganz weit weg. Die Zeit vergeht langsam und die Sonne heizt den Raum immer weiter auf, sie strahlt so hell, dass ich mich auf die Berge und die Kreuzung fokussiere. Nach 30 Minuten verändert sich die Stimmung. Im Süden fangen die Dächer an, golden zu glitzern. Ich spüre, wie die Zeit vergeht. Nicht zu schnell oder zu langsam, wie meistens im Alltag, sondern genau richtig. Ich mache die Augen zu, der Geruch wird intensiver, der Duft nach Fichtenholz passt nicht so ganz zu dem monotonen Klangteppich der Stadt. Während ich in die Ferne schaue, taucht plötzlich der Lichtrahmen im Fenster auf. Wo vorher die Stadt war, steht man auf einmal selbst im Vordergrund. Die Gedanken, die vorher in alle Richtungen eilen, kommen auf einmal zurück und man spürt seine eigene Präsenz… Vielleicht tun auch nur die Füße weh, weil man schon eine Stunde gestanden ist… Mit abnehmender Sonne wird die Präsenz deutlicher, optisch schwebt der Rahmen einen Meter vor der Scheibe. Ich habe das Gefühl, durch den Rahmen gehen zu können. Durch diesen Eindruck löst sich der Shelter um einen auf und tritt zurück. Danke für dieses tolle Erlebnis und auch danke an Martina für die erstklassige Betreuung.«

01.06.2021 Robert Martinez v. Bülow Aussicht