20:02 I Kwoh-Hung Luong

»Wow. Mir fehlen gerade die Worte. Bzw. ich muss meine Gedanken sortieren. Sie schwirren gerade wild in meinem Kopf herum. Dabei bin ich ehrlich gesagt ohne große Erwartungen zum Gasteig gekommen. Klar, der schönen Aussicht wegen ist man oben im ›Krähennest‹. Aber schon wenige Augenblicke haben gereicht, um die Welt um sich herum zu vergessen. Je länger ich auf München geschaut habe, desto mehr habe ich mich selbst vergessen. Und urplötzlich habe ich angefangen zu singen. Erst leise, dann immer lauter. Ich weiß eigentlich geht es um Ruhe und die bewusste Wahrnehmung der Aussicht, aber ich konnte nicht anders. Es war, als hätte ich einfach losgelassen. Hallend sang ich Songs wie ›Dancing Queen‹ von Abba oder ›Lemon Tree‹ von Fools Garden. Doch ich schweife ab. Ich habe mir jedes einzelne Gebäude angeschaut. Das Europäische/Deutsche Patentamt, das Deutsche Museum, das Müller‘sche Volksbad. Und obwohl mir alles so bekannt ist, habe ich die Gebäude nie bewusster ins Visier genommen. So war ich fasziniert von der Sonne, die immer der Frauenkirche entlang weiter hinabgekehrt ist. Oder sich das ständig drehende Münchner Kindl auf der Spitze des Volksbades. Mein persönliches Highlight ist jedoch die Aussicht auf die St. Lukas Kirche. Von oben schaut sie so klein aus, während sie von unten riesig ausschaut, fast wie der Berliner Dom. Zusammenfassend kann man sagen, dass ich einen Sonnenuntergang bisher noch nie so bewusst wahrgenommen habe, wie heute und dass ich den heutigen Tag auf jeden Fall lange in Erinnerung haben werde.«