19:35 I Holger Beyer

»Meine Stadt. Ein halbes Leben schon. Zehntausend Tage oder mehr. So viele Erinnerungen beim Blick über dich. So viele Orte, an denen ich gespürt habe: Du bist meine Stadt, meine Heimat. Hier will ich sein. Aber noch nie habe ich dich von hier gesehen: Auf Augenhöhe mit deinen Turmspitzen. So oft habe ich schon vom Alten Peter hierüber geschaut. Der Gasteig war lange meine Orientierung für diesen Teil der Stadt. Was war mein Stadtteil. So lange. So verliebt. So besonders. Meine Beziehung zu dir. Und heute? Die Stadt ist so ruhig im Vergleich. Du hast schon so viel erlebt, deine Geschichte ist so spürbar für mich. Auch weil meine Geschichte ein Teil von dir ist. Und so viele Geschichten, die ich über uns erzählen könnte und die wir grad durch den Kopf gegangen sind. Alles ist wahr. Oder erdacht. Oder erinnert mit Schmäh. Nur die schönen Erinnerungen sollen und beiden bleiben. Auch von heute: 8. Mai, Tag der Befreiung. Du bist frei, warst es immer und wirst es ewig bleiben. Nur wir Menschen haben gelernt, mit Grenzen zu leben. Unser Leben, unser Blick, unsere Zeit… alles im Rahmen, alles in Grenzen, alles aus Blickwinkeln. So wie heute. Ein herrlicher Winkel, ein einzigartiger Sonnenuntergang über dir. Niemals ein Untergang. Die Sonne wird schon morgen wieder über uns sein und mit uns lachen.«