19:33 Uhr I Monika Schreiner

»Es regnete in Strömen, als ich meinen „Dienst“ als Türmerin antrat. Es begann mit einem Aufstieg über die Dächer der Stadt, zu einer Box aus Holz, die mir für eine Stunde Schutz vor der Witterung bot. Sie war wohlig und warm, gleich einer Hütte in den Alpen, nur die Aussicht war eine andere, es war die auf die Stadt, auf München und zu meiner Überraschung auf einen Turm. So wurde ich nicht nur „Bewacherin“ Münchens, sondern irgendwie aufgrund meiner Ausrichtung auch zu einem Turm. Mein Körper zwischen Himmel und Erde. Eigentlich hätte ich erwartet, dass ihm leicht werde, doch der Körper wurde schwer, nicht aufgrund der Aufgabe allein, sondern im Verhältnis zur unten liegenden Stadt. Alles winzig im Vergleich. Da hat es auch nichts geholfen, dass sich der Körper (immer in einem Rahmen), sich scheinbar aufgelöst hat. Mal mehr, mal weniger. Der Rahmen, das Licht, hat den Blick fokussiert auf einen Turm, obwohl es ganz viele Türme in der Stadt gibt. Vor allem Kirchentürme, aber auch Baukräne. Der weltliche Turm des Müllerschen Volksbads hat mich angeregt, mich weiter mit der Stadtgeschichte zu beschäftigen und ich habe bis zum Schluss gewartet, ob er wohl noch erleuchtet wird…«

06.05.2021 Monika Schreiner Aussicht