19:26 Uhr I Pia Chojnacki

»Der erste Augenblick mit Angst erfüllt, ganz schön hoch. Ankommen, angekommen sein, da sein, bei mir sein. Ich bin hier. Autos die wie kleine Marienkäfer ihre Mission erledigen. Jedes kommt irgendwo her und jedes möchte irgendwo hin, das Ziel ist ankommen, so wie ich angekommen bin. Ich bin begeistert von dem was ich sehe. Das ist München? Herausragende Kirchturmspitzen, die sich hervorragend ins Bild dieses geordneten Chaos einfügen. Gesichtslose Menschen mit tiefgreifenden Geschichten, die ich selbst nicht kenne. Aneinander gereihte Hochhäuser mit 100 gleichen Fenstern, doch jedes dieser Fenster ist ein Fenster in eine andere Welt. Welten voller unterschiedlicher Menschen, mit unterschiedlichen Geschichten. Alle anders und von hier oben alle gleich. Alle gleich berechtigt von Bedeutung zu sein. Ich sehe Menschen in Regenjacken, wie sie zielstrebig ihren Weg verfolgen. Doch ich sehe keine Hautfarben. Von hier oben in Schubladen gesteckt werden, keiner kann mich in Schubladen stecken. Plötzlich erkenne ich in der Scheibe den leuchtenden Rahmen und es ist ein gutes Gefühl in den Rahmen zu passen, auch wenn ich normalerweise gerne rausfalle, doch jetzt fühlt es sich richtig an, dazu zu gehören. Gedanken kommen und gehen. Wunderschöne gedankenlose Leere gefüllt mit Inspiration und Ideen. Das Wetter lässt es nicht zu, allzu weit zu sehen, doch ich weiß, das letzte Haus, das ich hier sehe, ist nicht wirklich das letzte Haus. Danach geht es weiter, auch wenn meine Augen es nicht sehen, das gibt mir ein Gefühl von ›Alles ist in Ordnung‹. Mein Platz ist hier irgendwo, auch wenn ich ihn noch nicht sehe. Keine Handystörungen, keine Verpflichtungen für eine Stunde, einfach da sein, einfach ich sein und ich beginne über meinen letzten negativen Gedanken zu lachen. Hier oben ergibt er keinen Sinn. Wie kann das sein? Es wird dunkler und die Lichter gehen an. Wie jeden Tag. Menschen mit ihren Geschichten und Problemen folgen ihrer nächsten Mission, ihrem nächsten Ziel und ich weiß, egal was passiert, morgen wird die Sonne wieder aufgehen. Für uns alle. Mein Blick schweift über die Dächer und Bäume, über die Menschen und Autos, über die Straßen, das Wissen, dass sie alle gleich sind und dennoch alle anders, gibt mir ein gutes Gefühl. Ich lache nochmal über meinen Gedanken, über meinen negativen, den ich zuvor hatte. Hier oben ergibt er keinen Sinn. Vielleicht müssen wir einfach über uns hinauswachsen? Über uns hinauswachsen, um zu sehen, dass von oben negative Gedanken keinen Sinn ergeben. Ich bin gekommen, um zu sehen und werden gehen, um zu verstehen. DANKE.«