19:19 Uhr I Brigitte Strauß

»Ich bin ein Kind dieser Stadt. Das erste, was ich seh, a Deandl. So kloa, und jetzt im wahrsten Sinne des Wortes war i a amoi! Der Blick über die Dächer „meiner“ Stadt, ich muss mich erst orientieren. A da, de Theatinerkirch, da die Regierung, dort vermutlich des Hofbräuhaus. A ganze Stadt voller Erinnerungen. Und do mein Mann, da wartet jemand auf mi in dieser großen Stadt. Der Gedanke erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. München leuchtet! Es leuchtet die Sonne direkt vor mir durch den Dom. Es glitzern die Kuppeln. Und mit den Minuten, die vergehn, kommt die Stadt näher. Die Geräuschkulisse wird weniger, und die Glocken läuten auf halb Achte. Und klingen so ganz anders wie vo unten. Ob mich jemand sieht? De paar Mausla auf der Straße schaugn net nach oben. Ich wollt die Stadt tanzn, es funktioniert – stell ich fest – unten besser. Trotzdem, so a gsummter Boarischer, der hot was. Des Licht wird wärmer, sogar die elendigen Baukräne san nimmer ganz so schlimm. Am Fenster a Spinne, ob de woaß, wos grad is. Wär was für mei Enkel Valentin, der liebt Spinnen und mia sehng drunten alle, glaub i. Polizei, Masken, Müllautos, Radler, des alles kann ich auch sehen. Ja, und es gibt doch welche, die plötzlich zurück winken. Wo de wohl leben, in dera Stadt. Es wird fast a bisserl romantisch, die Sonne macht sich aufn Weg und mir bleibt ned vui Zeit. Grandios – und scho wieder a wenig Dankbarkeit. So a Stimmung und so a Buidl, des nehm ich mit. Und koane Massen an Leut und grad a oanzigs Flugzeug am Himmel. Fast tät ma sich wünschn, es werden wieder mehra. Ganz an liabn Dank für eine wunderbare Stund über dera Stadt, für eine Stunde „Perspektivwechsel“ und für recht viel schöne Stimmungen und Momente. Und für vui, das sich bislang versteckt gehalten hat.«

26.04.2021 Brigitte Strauß Aussicht