18:57 Uhr I Kathleen Thümmel

»Ich türme – endlich! Zwischen der Anmeldung und meiner Stunde über der Stadt liegt fast ein halbes Jahr. In den letzten Wochen ist mir bewusst geworden, wie viel Glück ich habe, bei diesem Projekt dabei zu sein, denn die Plätze sind zu Recht sehr begehrt. Ich habe mir den 11. April ausgesucht, da man sich z. B. einen besonderen Tag zum Türmen aussuchen sollte. Da mein Opa heute Geburtstag hat (87 Jahre), ist das ein besonderer Tag für mich. Leider sehe ich meine Familie viel zu selten, da ich wie viele Menschen in München, nicht ursprünglich aus München komme. Heute ist ein wunderschöner Tag: strahlend blauer Himmel und ein paar weiße Wolken. Ich werde von der Sonne angestrahlt. Mit der Zeit gewöhne ich mich daran und an die Wärme. Im Laufe meiner Türmer-Stunde erkenne ich immer mehr Gebäude und Kirchtürme, die mir zu Beginn nicht aufgefallen sind (z. B. die St. Paulskirche an der Theresienwiese). Interessant ist, dass der Anstieg vom Deutschen Museum zum Gasteig hoch von hier oben aussieht, wie eine eben verlaufende Straße. Allgemein nimmt man die Umgebungsgeräusche (z. B. Straßenlärm, Kirchenglocken, Vogelgezwitscher) im Shelter zwar wahr, aber irgendwie gedämpft. Ich habe vor meiner Türmer-Stunde oft überlegt, was ich wohl für Gedanken haben werde und wusste, dass ich bestimmt an meine zahlreichen Konzertbesuche im Muffatwerk denken werde. Das Ampere und die Muffathalle liegen nämlich auf meiner rechten Seite. In Nicht-Corona-Zeiten hätte heute da unten bestimmt eine Schlange von Menschen gestanden. Leider sind kulturelle Veranstaltungen jeglicher Art seit über einem Jahr aufgrund der Pandemie so gut wie nicht mehr möglich. Ich hoffe, dass wir bald alle wieder Konzerte, Theaterstücke, Lesungen usw. besuchen können! Vielen Dank an meine liebe Begleiterin und an alle Projektbeteiligten! Es war einmalig und meine Stunde über der Stadt München verging viel zu schnell…«

11.04.2021 Kathleen Thümmel Aussicht