18:53 I Sebastian Epp

»Die Schwester meiner Oma, Elsie, zeigte mir vor ein paar Jahren ein Bild. Sie als junges Madl auf dem Engel des Maximilianeums. Sie hatte dort ihr Büro, es war 1944. Sie kletterte auf den Engel und sah eine kaputte Stadt. Statt roter Ziegel war alles schwarz und verkohlt. Sie blickte auf die glitzernde Isar und lenkte sich so etwas ab. Elsie, heute 97 Jahre alt, habe ich erzählt, dass ich zum Türmer werde und nur wenige Meter Luftlinie entfernt auf die Stadt blicken werde – so wie sie. Ich denke an die kurze und gleichzeitig lange Zeit, die zwischen diesen Momenten vergangen ist, und wie schön München wieder aussieht. Während ich das schreibe, höre ich Musik aus dem Gasteig… Ich begreife, was für ein Glück ich habe. Nach den etwas schweren Gedanken zu Beginn meiner Stunde, bin ich unglaublich fasziniert von den vielen Eindrücken. Man sieht bis zur Zugspitze! Ich fühle mich etwas entrückt von „der Welt da unten“, da fliegt eine Taube vorbei und landet auf einem Baum rechts vom Volksbad. Unten geht ein Pärchen vorbei, bleibt stehen und beobachtet die Taube. Ohne es zu  merken, machen wir eine gleiche Erfahrung und verbinden uns auf eine unsichtbare Art und Weise – das bringt mich „zurück“ in die Stadt… vielen vielen Dank für diese großartige Erfahrung!«

08.04.2021 Sebastian Epp Aussicht