17:21 Uhr I Stefan Huber

»Das steht es, das Deutsche Patentamt. Es ist auf den Tag genau 1 Jahr her, dass ich nun im Homeoffice arbeiten muss. Ich suche mein Zimmer – 4. Fensterreihe von oben, 20. Fenster von rechts – dunkel! Mir ist, als müsste ich mich vergewissern, dass meine Stadt noch da ist. Die Türme, das Olympiastadion, die Oper. Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Silhouette des 171 m Schornstein des südlichen Heizkraftwerks so fehlen würde. Ich schweife zu den Orten meines früheren Wohnens: das olympische Dorf, St. Benno, St.-Pauls-Kirche. Ich bemerke, dass ich für 10, 15 Minuten total in Gedanken versunken war, zwar auf die Stadt geblickt, aber nichts bewusst wahrgenommen habe. Welche Gedanken? Ich weiß es nicht mehr, sie waren flüchtig. Mit der Zeit ermüdet der Blick und sinkt herab auf die Straße am Gasteig. Wie flach sie von hier oben da liegt. Es amüsiert mich, zu beobachten, wie sich die Radfahrer scheinbar grundlos abmühen, in meine Richtung zu gelangen. Die in der anderen Richtung sausen wie von einer unsichtbaren Antriebskraft getrieben dahin. Es beginnt zu dämmern, der wolkenverhangene Himmel wird düster, und vor mir erscheint die Lichtreflektion des Lichtbandes im hölzernen Cubus; wie ein Rahmen; ein leerer Rahmen, denn ich sehe mich nicht und blicke hindurch auf den dominierenden Turm des Volksbades. Je weiter ich von der Scheibe zurückweiche, desto mehr zieht mich dieses Gebilde in seinen Bann. Die Stunde neigt sich dem Ende entgegen, kein Sonnenstrahl ließ sich blicken, trotz aller Geduld – nur am Horizont, genau hinter dem Olympiastadion, war ein rötlich leuchtender Himmelsstreif zu sehen. Licht am Ende der Düsterkeit. Wenn auch noch ein Stück weit entfernt.

Ich danke dem Projetteam und meiner Begleiterin Andrea für diese wunderbaren Momente und die Teilhabe.

Ein stolzer Türmer.«

17.03.2021 Stefan Huber Aussicht