17:18 Uhr I Beate Michel

»Hört ihr Leut und lasst euch sagen… Was soll ich da nun wirklich als Türmer? Weit und breit keine Banden, Truppen, Feuer… keine Kommunikation mit Bürgern, keine Trompete zu blasen… Ich beobachte den wunderbaren Holz-Hochsitz mit Blick senkrecht nach unten. Abenteuerlich! Riecht frisch nach Holz, die Heizung knackt wie in einer finnischen Sauna, sehr gemütlich. Ich verschaffe mir einen Überblick über Stadt, Häuser, Kirchtürme… es regnet auf meine Aussichtsscheibe, die Sicht wird trüb… Viele Wolken von schwarz bis weiß, groß und klein schieben sich von West nach Ost. Ich zähle die toll verzierten Uhren auf all den gigantischen Kirchtürmen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Plötzlich machen die Wolken Platz für eine wunderschön wärmende Sonne. Ich versinke im Rausch, schließe die Augen. Beim Wiederöffnen sehe ich ein endloses Spektakel von Streifen, Wolken, blauem Himmel… unglaublich. Das kleine „Theaterstück“ unten auf der Straße wirkt geordnet, aber eigentlich nicht wichtig. Menschen tragen ihre Sorgen, Pläne, Erfahrungen mit sich, aber interessant und beruhigend ist der Blick in den Himmel, Licht am Ende des Tunnels! Fühlt sich geborgen an. Alles wird gut… „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“ Ein kleiner Trost in diesen Zeiten? Ich genieße nun einen fantastischen Sonnenuntergang. Orangefarbener Ball! Meditation, Ruhe… nur Automotoren, keine lauten Geräusche, alles friedlich. Kirchenglocken bringen mich in die Realität zurück. Die Türmerstadt wird regelmäßig wie mit Scheinwerfern von der untergehenden Sonne beleuchtet, die Dächer strahlen. Alles in allem ein einmaliges Erlebnis und sehr kurzweilig. Danke!«

15.03.2021 Beate Michel Aussicht