17:04 Uhr I Marie Nüzel

»Ich sitze in meinem selbstgebauten Turm, eine Konstruktion am Esstisch und Polstersessel und blicke aus meinem Dachfenster auf ruhende Hausgiebel. Es sieht alles so ruhend aus und ich finde mich automatisch in der Position des Wächters wieder, der einen Schutzauftrag ausführt. Die relativ hochstehende Sonne macht mich müde und ich döse weg. Vereinzelte Stimmen. Wie verdammt still es geworden ist. Wäre nicht im letzten Jahr eh alles in diese Ruhe gehüllt, würde ich diesen Moment des städtischen Vorschlafs genießen, nun jedoch wird er zum zähen Symbolbild. Meinen Blick nach außen zu öffnen, erweitert meinen Wohnraum, entspannt meine Augen, die lustvoll in die Weite schweifen. Je tiefer die Sonne steht, umso wacher wird mein Geist, ein Wirrwarr von verknoteten Gedanken beginnt sich zu lösen und ich spüre im fortschreitenden Sonnenuntergang Erleichterung. Ich wünsche mir den Trubel der heranziehenden Nacht zurück, sodass mir die Stille weniger Unwohlsein bereitet. Komatisch fallen die Häuser in den Schlaf.«

06.03.2021 Marie Nüzel Aussicht