»Was die Welt da draußen zu bieten hat« – DANKE für ein tolles Austauschtreffen!

Andächtig lauschten am Abend des 3. März über 70 Türmer*innen vor ihren Bildschirmen Christiane, Katrin, Markus, Santiago und Ute. Die fünf Begleiter*innen trugen Texte aus dem Türmer-Blog vor, die nach über 160 sehr persönlichen Stunden über der Stadt bis dahin entstanden sind: Texte über Stunden, die wie im Flug vergingen, über Verantwortung und Vertrauen und die »Shutdown-Edition«, über die besondere Zeit dieser Tage und geschärfte Sinne. Texte von Menschen, die über das Pixel um Pixel Bewegen in der Arbeit nachdachten, schwebende Schneeflocken in Lyrik gossen, den ständigen Wandel der Stadt beobachteten oder Eichhörnchen, Vögel und andere Hinterhoftiere zählten – die eigentlichen Hauptakteure dieses Projekts, da war sich manch eine*r einig.

Seit 12. Dezember letzten Jahres bekommen wir nun so zahlreiche tolle und persönliche Einblicke in die Köpfe der Türmer*innen Münchens und ihre Lieblingsorte in der Stadt – auf deutsch, englisch, französisch und weiteren Sprachen –, dass die Auswahl für unser erstes Austauschtreffen extrem schwerfiel. In kleineren Chat-Rooms – diese Zeiten – ging es deshalb nach dem Lauschen der Texte noch weiter mit dem Austausch: die Türmer*innen erzählten sich, wie sie sich durch das »Türmen« neu – oder nach Jahrzehnten überhaupt zum ersten Mal ein Stück – in ihre Stadt verliebten, wie stolz sie darauf sind, Teil der menschlichen Kette dieser Performance zu sein, wie anstrengend und spannend zugleich es war, sich vermeintlich »nichts machend« in ihrem Homeoffice wiederzufinden – statt auf dem Dach des Gasteig, das bisher nicht erklommen werden durfte.

Sie unterhielten sich darüber, wie ihre im Blog niedergeschriebenen, persönlichen Gedanken sie mit langjährigen Freunden ganz neu ins Gespräch brachten oder ihre Kindheit die Wahl des Ortes zum Türmen beeinflusste, über Sinn und Sinnfreiheit der Türmer-Stunde und der Frage, ob man überhaupt immer allem einen Sinn verleihen muss oder gerade diese Stunde einfach dazu nutzen konnte, dieser Frage einmal zu entkommen – über die bewusste Entscheidung, einen Sonntagmorgen auszuwählen, um endlich mal in Ruhe die Kirchenglocken läuten zu hören und über Türmer-Stunden, die sich wie ein Origami-Werk von Minute zu Minute mehr entfalteten und neue Facetten zeigten. Man erfuhr von der Türmerin, die ihre Stunde aufgrund von Reisebeschränkungen spontan in Italien abhalten musste und davon, wie die Performance Neues und Bereicherndes ins ein oder andere triste Lockdown-Leben brachte.

Hintergrundinfos zur Performance und der Arbeit an dem ein Jahr lang andauernden Projekt vom Türmer-Projektteam des Gasteig und persönliche Worte von Joanne Leighton, der Urheberin des Projekts, garnierten den Abend. Aus Paris sendete Joanne vor allem ihren Dank an alle Teilnehmer*innen in die Münchner Wohnzimmer, die uns so flexibel von zuhause aus oder einem persönlichen Ort in der Stadt zeigten, dass man dem Türmer-Projekt gerade in diesen Zeiten auch etwas Besonderes abgewinnen kann.

Die Türmer*innen Christiane und Anna rezitierten zum Schluss gekonnt das »Türmerlied« aus Goethes Faust II, dass sie in ihrem Blogbeitrag erwähnt hatten. Dazu gab es auf den Bildschirmen zuhause das Bild »Der Türmer« von Edward Jakob von Steinle (1859), das in der Sammlung Schack in München zu bestaunen ist, die übrigens schon bald unseren Blog mit einem Gastbeitrag dazu beehrt. Ein gemeinsames Prost mit dem ein oder anderen Aperol Spritz vor dem Bildschirm rundete den Abend feierlich ab.

Liebe Türmer*innen und Begleiter*innen: spannend, schön, ehrlich und sehr persönlich war es mit Euch!

Wir freuen uns deshalb außerordentlich auf das nächste Austauschtreffen im Juni und bis dahin auf jeden Fall darüber, »was die Welt da draußen zu bieten hat, wenn man sich mal die Zeit dafür nimmt«.

 

Cheers,
Euer Türmer-Projektteam!