06:49 Uhr I Winfried Rasbach

»Erwartet hatte ich, irgendwann frühmorgens vom Dach des Gasteig auf eine erwachende, laute Großstadt zu schauen, das Schauspiel zu beobachten und dabei vielleicht ein wenig über meine letzten gut 15 Jahre in dieser Stadt zu sinnieren. Es ist etwas anders gekommen.

Heute früh blicke ich, an einem späten und kühl startenden Wintertag, auf einen äußerst beschaulichen, wenngleich noch etwas kahl wirkenden Westpark. Der Schnee der letzten Wochen ist geschmolzen, der Frühling aber noch nicht zu sehen. Das Erste, was mir auffällt, ist, wie laut die Vögel doch sind. Überhaupt haben die Tiere um diese Uhrzeit den Park irgendwie im Griff. Zwei Hasen hoppeln vorbei, auch Gänse und Enten machen sich bemerkbar. Die wenigen Menschen im Park dagegen wirken, als hätten sie sich ein kollektives Schweigegelübde auferlegt. Gebrochen wird es nur von einem Mann, der mich grüßt. Dieses freundliche »Morgen« bleibt in der ganzen Stunde der einzige Laut, den ich von Menschen höre, nimmt man die Hintergrundkulisse des leichten Autorauschens aus, das von außen in den Park dringt. Ansonsten sind die Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer und Hunde-Gassi-Geher, die den Park durchkreuzen, mit sich selbst beschäftigt und zumeist auch allein unterwegs. Laut ist die Großstadt hier und jetzt nicht!

Es bleibt eine entspannte Stunde, die überraschend schnell vorbeigeht und ich denke mir: Bei Gelegenheit könnte ich eigentlich wieder einmal »türmen«, hier oder anderswo, vielleicht mit einem Kaffee in der Hand. Türmer sollten mit der Zeit gehen!«

Winfried Aussicht