06:53 Uhr I Amelie Gläßer

»Brücke Kronepark/am Nockherberg: Der Tag beginnt, der Alltag vieler Menschen startet. Viele dieser Menschen ziehen an mir vorbei: zu Fuß, auf Fahrrädern (Citybikes, Mountainbikes, Rennräder, Trekkingräder, Lastenräder, mit Fahrradanhängern, Helmen, Fähnchen, Körchen oder Kindersitzen), in Autos (unzählige Fabrikate), Transportern, LKWs, in der Straßenbahn oder der Regiobahn, die unter mir durchsaust.

Ich beobachte schräg gegenüber, wie eine Großbaustelle ihren Betrieb aufnimmt: Krähne bewegen sich, lassen scheinbar mühelos Wände, Container & Baugeräte durch die Luft fliegen. Geräusche vom Kran, von rufenden BauarbeiterInnen nehme ich war.
Die Züge, Autos, Straßenbahn & ab und an vorbeifliegende Vögel machen auch Geräusche. Dabei stellt sich mir die Frage: Haben Vögel auch einen Alltag?
Vorbeigehende oder vorbeifahrende Fußgänger/Radler nehmen mich wahr. Lassen ihre Blicke in meine Richtung und dann in die Richtung meines Blickes schweifen. Ich denke mir: Sie denken sich bestimmt: Was tut sie dort? Was beobachtet sie? Lohnt sich der Blick in die Richtung, in die sie schaut?

Ich habe mich bewusst für eine Stelle zum »Türmen« entschieden, die in meiner Nachbarschaft liegt. Und bewusst für einen Ort, an dem etwas los ist. Ich dachte, eine Stunde Ruhe ist nichts für mich, es könnte langweilig sein oder ich werde müde. Nach einer Stunde zwischen vielen, vielen permanenten Geräuschen genieße ich nun die Stille in meiner Wohnung.«

 

Amelie Gläßer Aussicht