06:57 Uhr I Milla Egert

»Ich stehe auf einem Hügel, der Blick ist toll, lenkt ab, bringt Neues, fokussiert. Die Zeit und den Blick teile ich mir ein. Was höre und was sehe ich?
Ich bin eine Türmerin.
Oben stehen, draufschauen, Umgebung spüren.
Ich bin getürmt aus dem warmen Bett, raus ins Freie. 3 Grad, frostig.
Ich bin eine Türmerin. Den anderen ein Signal sein, Leuchttürmerin.
Leuchten fällt leicht, der Feuerball im Rücken sendet Strahlen auf die Stadt. Der Nachtwächter – Mond sagt langsam tschüss, die Sonne lässt alles glänzen, glitzern, in neuem Licht erscheinen. Krähen sind übrigens Frühaufsteher, die mag ich. Krächzen herum, sammeln sich.
Da fällt mir auf, Stille ist ein relativer Begriff.
Ein Platz zwischen Stadt und Land ist besonders, man hört viel, auch wenn viele noch schlafen.
Die Stadt und die Umgebung sind ‚da‘.
Und ich bin Türmerin, ich bin ein Teil von allem und heute mal anders unterwegs.
Ich stehe, schaue, höre und denke.
Nichts türmt sich auf, im Gegenteil – ich schicke es über die Stadt und lass es fliegen. Alles ist getürmt.«

Milla Egert Aussicht