16:54 Uhr I Dr. Annie Horng

»Die Stadt ist trotz Lockdown sehr lebendig. Gottseidank …! Menschen & Tiere lassen sich in ihrem Tun nicht beirren. Die Isar hat hier zwei Arme – einer fließt träge & ruhig, einer reißerisch schnell – genauso schnell wie die Linienbusse, die über die zwei Brücken rechts & links flitzen. Das Leben bleibt nicht stehen, egal, was momentan passiert. Ungeachtet der Pandemie, Deiner Sorgen, der Sorgen anderer. Es ist wieder wie die Passage aus Alice hinter den Spiegeln, Alice darf nicht stehen bleiben, weil sie sonst zurückfällt gegenüber der Welt. Aber das stimmt nicht ganz. Man kann sich Zeit nehmen & sich an den Rand stellen und alles beobachten. Dann gewinnt man die Macht & die Übersicht über seine Situation zurück. Man darf nicht vergessen, dass man diese Macht besitzt & sie nutzen kann. Tritt aus Deiner Realität und Deiner Blase heraus, um die vielen Facetten und Komponenten Deiner Umgebung wahrzunehmen. Wie die Enten auf der Isar, die im Strom landen, gegen ihn schwimmen, an Land gehen, alles erkunden, den Neuankömmling anquaken & in der Situation leben, es (hoffentlich) genießen (ich weiß ja nicht, was die Ente denkt). Wir bzw. ich lebe heute, gestützt durch die sozialen Medien & ihrer virtuellen Weite, viel zu viel in einer imaginären Gedankenwelt, die neben Möglichkeiten auch ein Gefängnis sein kann. Man sollte nicht vergessen, dass man trotz der Dauerpräsenz, die man heutzutage auf allen Kanälen hat, sich Zeit für sich nehmen sollte, um sich selber und seine unmittelbare Umgebung wirklich wahrzunehmen & wirklich zu leben.«

 

Dr. Annie Horng Aussicht