16:52 Uhr I Uwe Seemann

»Ich fahre mit dem Radl den Berg hinauf. Als ich oben bin, staune ich nicht schlecht: Ich hatte mir schon gedacht, dass ich am Freitag Abend im Riemer Park nicht alleine bin, aber dass hier oben fünf, sechs Gleitschirmflieger zugange sind, hätte ich nicht erwartet. Bei 25 Höhenmetern langt das allerdings nicht zu viel mehr als zu Startübungen und ein paar kleinen Hopsern.

Ich stehe also auf dem BUGA-Berg, ganz im Osten Münchens und schaue nach Westen. Hinter mir sind die richtigen Berge; die kann man jetzt leider nicht sehen, weil es so dunstig ist, aber ich weiß, sie sind da. Vor mir liegt München, meine Stadt, die ich so oft »Schönste Stadt der Welt« nenne. Übertreibe ich da nicht ein bisschen? Die Aussicht, die sich mir bietet, wirkt auf den ersten Blick eher prosaisch. Direkt vor mir, da, wo früher der Flughafen Riem war, liegt das riesige Messegelände und die Messestadt, der neue, aus dem Boden gestampfte Stadtteil, der immer noch wächst. Dahinter sehe ich einige Grünzüge, die im fahlen Abendlicht eher grau wirken. Viele Baukräne sind da. Und nochmal dahinter, fast schon am Horizont, taucht so etwas wie eine Skyline aus dem Bäume- und Häusermeer auf. Vieles kann ich auf Anhieb erkennen: Da ist der Olympiaturm, das BMW- und das Hypohochhaus, die Frauenkirche, das Riesenrad im Werksviertel und und und. Bei manchem muss ich überlegen: Ist das das Neue Rathaus oder das Maximilianeum, da links von der Frauenkirche? Noch weiter links, kann das der Gasteig sein? Wo ist denn das Deutsche Museum? Und der Kirchturm da, gehört der zur Mariahilf- oder zur Heilig-Kreuz-Kirche? Also Auer Dult oder Giesinger Bräu? Weiter im Süden tauchen einige Lichtpunkte aus dem immer dichter werdenden Dunst auf. Das muss das Flutlicht am Grünwalder Stadion sein, die Löwen spielen heute gegen Haching.

Jetzt bin ich eine Stunde hier gestanden und habe auf München geschaut. Zu sagen, dass ich über München gewacht habe, wäre natürlich übertrieben. Aber etwas aufpassen können wir alle auf München, einfach durch unser tägliches Tun und Handeln, jeden Tag ein bisserl aufpassen auf die schönste Stadt der Welt.«

Uwe Seemann Aussicht