07:03 Uhr I Heike Braun

»Ich bin nicht allein am Fuße der Bavaria. Der Mann mit dem blauen Kapuzenpulli wacht fast genau so lange über seinen Körper, wie ich über die Stadt wache. Er rennt, hüpft und springt die Stufen auf und ab, ich stehe ein wenig abseits still.

Beim Erwachen der Stadt unterwegs zu sein, fühlt sich für mich nach Reisen an. Nach dem Weg zum Bahnhof, zum Flughafen oder einem Ausflug zu einem entfernten Tempel.

Auf der Theresienwiese ist man nie allein. Um diese Uhrzeit ist sie Fahrrad-Transitstrecke und Trainingsplatz. Es sind aber auch zwei junge Frauen hier, die sich mit mir den Sonnenaufgang ansehen. Als sie golden und groß hinter der Silouette der Häuser aufsteigt, wird der Gesang der Vögel für einen Moment präsenter als der Generator der Corona-Teststation und das Rauschen des Verkehrs. Das diffuse, schläfrige Licht wird nach und nach heller, die Umrisse werden schärfer, der Tag konkret. Immer wieder durchschneiden Vögel das große Blau des Himmels. Ich beneide sie ein wenig um den vielen Platz, den sie haben und um ihre Reisefreiheit. Danke für die schöne Erfahrung.«

25.02.2021 Heike Braun Aussicht