16:49 Uhr I Bärbel Girardin

»Eine Stunde ohne Ablenkung über den Dächern von München! Nachdem uns leider Corona immer noch beschäftigt, habe ich mich entschlossen, meine „Türmer-Stunde“ auf dem Dach des Gärtnerplatztheaters abzuhalten, denn dort stehen schon seit einigen Jahren meine Bienen. Normalerweise komme ich her, um mich um sie zu kümmern und fahre danach wieder nach Hause. Die Aussicht vom Dach auf die Stadt und bis in die Alpen genieße ich zwar jedes Mal, aber noch nie habe ich so viel Zeit mit der Beobachtung der Umgebung verbracht.

Auch wenn ich von meinem Standort einen kleinen Ausschnitt des Gärtnerplatzes mit seinen Spaziergängern und -fahrern sehen kann, komme ich mir hier oben sehr allein vor. Die Stadt wirkt fast wie eine Kulisse ihrer selbst, in der Menschen nicht vorkommen. Auch Tiere sehe ich nur wenige (zwei Gänse fliegen an mir vorbei), aber Vögel sind nur noch vereinzelt unterwegs. Meine Bienen haben auch nur noch am Anfang der Stunde den Weg in ihr Volk gesucht und ziehen es jetzt vor, bis morgen früh im warmen Stock zu bleiben. Sie haben schon mit den Vorbereitungen für den Frühling angefangen und sammeln fleißig Pollen. Wo sie den hier wohl finden? Von hier oben sieht alles „zugebaut“ aus, die grünen Flächen verstecken sich gut im Häuserdschungel.

Der Mensch mit den kurzen gelben Shorts auf dem Gärtnerplatz sorgt für die musikalische Kulisse und lässt seine Lautsprecher „Guantanamera“ spielen, kurze Zeit später ertönt ein Martinshorn. Die Menschen sind vielleicht nicht immer sehr sichtbar von hier oben, aber sie sind da. Definitiv.«

24.02.2021 Bärbel Girardin Aussicht