07:36 Uhr I Carolina Gollner

»Zum Sonnenaufgang auf dem Monopteros: Der Himmel geht über allen auf. Das Licht bricht sich Bahn. Ich liebe die facettenreichen Wolkenformationen. Wache ich über die Stadt? Die Stadt sorgt für uns! Wer ist die Stadt?

Eifrig fahren die Müllwagen und sammeln den Müll ein. Auch den, der am Boden liegt. Haben zuvor die Krähen runtergepickt. Überhaupt die Vögel: Auch so eifrig und laut, ein Gewirr an Tönen. Sogar die Spechte pochen eifrig.

Das Grundrauschen der Autos, alles so emsig. Die Jogger, die Hunde und ihre Besitzer. Auf Wegen, die die Stadt mit vielen Menschen für uns geschaffen hat. Drum herum viele Bäume. Stehen unberührt seit Jahrhunderten. Bevor ich geboren wurde. Und werden auch noch dort stehen, wenn ich gestorben sein werde. Genauso wie die vielen schönen Bauten – der Blick auf die Kirchen – unbeeindruckt, unbeeindruckbar von dem, was um sie herum geschieht: Krieg und Frieden, Freud und Leid. Wind und Wetter. Fast.

Eisbader im Schwabinger Bach, juchzend. Das will ich auch machen. Lebensenergie!

Eine Stunde still stehen, verblüffend leicht. Sie ist fast vorbei und ich denke an die Kette, die nicht abbricht. Denke an denjenigen, der heute Abend wachen wird. Spüre die Verbundenheit, auch körperlich. Danke.«

05.02.2021 Carolina Gollner Ausblick