07:38 Uhr I Nicole K.

»Guten Morgen. Da bin ich nun. Da, um zu schauen – auf München. Auf mein Stück München. Mein Kopf nimmt das sehr ernst und schaltet in einen Kommentatoren-Modus, der individuelle Gedanken fast unmöglich macht. Also kommentiere ich – zu Beginn gibt es noch nicht allzu viel zu tun. Aber es fällt schnell auf, Bewegung und Aktion wechseln sich ab mit Stille. Sehr kurzer, aber auch umfassender Stille. Da passiert nichts. Der Geist und die Kommentatoren-Stimme können durchatmen. Dann Auftritt der Jogger. Sie sind gemächlich unterwegs und ziehen den eigenen Blick langsam mit sich. Dann kommt Willi, der wuselige Welpe von nebenan. Er hat sein Frauchen eindeutig im Griff. Es folgt wieder eine Pause auf dieser kleinen Bühne in München. Doch es steigert sich, es kommen Radfahrer, Autos, Lieferwägen, Vögel, Spaziergänger und Zur-Arbeit-Geher, Eltern und Kinder und wieder Autos. Dazwischen im x-Minuten-Takt die Tram und die Sonne. Die Auftritte der Akteure werden immer kürzer, die Pausen auch. Man kann gar nicht mehr alles verfolgen. Ich wünsche mir Ruhe. Ich warte, ob überhaupt noch ein Moment ohne Bühnenszene kommt. Nein, tut es nicht. Erkenntnisse und Fragen nach dieser Stunde: 1. Ich kenne meine Nachbarn besser! 2. Wer führt hier eigentlich wen Gassi? 3. Ist es richtig, dass es zwei Arten von Radlern gibt? Bunt gekleidete Sportler und Alltagsradler in Dunkel? 4. Warum treten Dinge gern im Duo auf? 5. Ich mag meine Stadt! – Es gibt immer was zu sehen und immer eine offene Frage!«

04022021_Nicole_K._Aussicht