07:47 Uhr I Sonia Pascual Romero

»Mein Blick ist auf das Dach des Gasteig gerichtet. Es ist nicht mehr dunkel, aber auch nicht hell. Die Türme der Frauenkirche kann ich erkennen und auch den Mercedesturm weit draußen. Es muss der Mercedesturm sein?! Das Licht ist gräulich und die Dächer noch mit Schnee bedeckt. Die erste Zeit ist es totenstill und München wirkt bedrückend. Langsam taucht die Morgendämmerung München in ein pastellfarbenes Licht. Die Gebäude wirken müde und traurig. Es sieht aus, als wollten die Türme und Häuser ihren Schnee abschütteln. So wie ich diese Maske, die ich mit mir trage. Nach einiger Zeit hört man Stimmen und Tritte im Gebäude. Die Umgebung wacht auf. Sogar Tauben scheinen passend dazu sich in Grüppchen zu platzieren. Es passiert nichts. Lange Zeit „nichts“! Nach gefühlter Ewigkeit fängt es an zu tröpfeln. Die Stadt wirkt traurig und scheint mit dem Regen ihren Schnee abschütteln zu wollen.
Alle reden dieses Jahr davon, unbedingt wieder reisen zu wollen. Raus aus München!? Ich nicht! Ich will in die Stadt rein. In eine lebendige Stadt voller Menschen, die sich nahekommen. Mir fehlen die Straßenfeste, Märkte, Lange Nacht der Musik, Lange Nacht der Museen, Lange Nacht des Einkaufs, Theater, Konzerte, Hofflohmärkte, Einkaufsgedränge… Der Grund, warum ich hier stehe und mir München anschaue, ist die Sehnsucht, Teil einer lebendigen, schönen Stadt zu sein. Der Regen wird stärker und ich überlege, meine aufkommenden Tränen zu unterdrücken. Hebe sie auf für später, wenn mein Mann mich tröstend in den Arm nehmen kann. Die Aussicht verschwimmt vom Regen. Ich kann mich auch nur verschwommen an schöne Momente in München erinnern. Heute scheint München zu weinen. Ist es München oder bin ich das? Mir fehlt München so! Das lebendige, lebhafte, entspannte München!«

28.01.2021 Sonia Pascual Romero Aussicht