07:51 Uhr I Gabriele Eberl

»Es ist Sonntag und ich bin im Büro… Ich darf „ungestraft“ nichts tun. Aber was heißt „nichts tun“? Ich beobachte, ich höre, ich denke. Ist das „nichts tun“?

Von meinem Standort – zwischen Donnersberger Brücke und Hackerbrücke – sehe ich Richtung Gasteig. Ich sehe den Dom, den alten Rathausturm, die Peterskirche, das Riesenrad, die Paulskirche. Ich denke an den Türmer auf dem Alten Peter, der nachts und tagsüber darauf achten musste, ob sich Feinde München nähern oder ob irgendwo Rauch aufsteigt.

Meine Gedanken fliegen wie die kleinen Schneeflocken ganz durcheinander durch meinen Kopf – vollkommen unzusammenhängend…

Die Sonne scheint, sie steigt immer weiter hoch. Sie blendet mich. Mir kommt der Satz in den Sinn, den mein Vater immer sagt, wenn ich mich darüber beschwere, dass mich die Sonne blendet: Sei froh, dass dich die Sonne anscheinen will. Die große, energievolle, strahlende Sonne will mich anschaun, ja, sie will mich anstrahlen. Ist das schön! Irgendwie stehe ich gerade anders da. Ich stehe aufrechter… War das die Sonne? Oder einfach nur ich? Ich bin wer, ich muss mich nicht verstecken – mich strahlt die große, warme Sonne an!

Ein bisschen muss ich lächeln: in der Türmer-Stunde ist keine Uhr erlaubt. Aber trotzdem bekommt man die Zeit mit. Die Turmuhren der Kirchen kann man nicht abstellen. Gegen Ende meiner Stunde habe ich auch dreimal meine S-Bahn gesehen. Trotzdem war es erstaunlich, wie schnell eine Nichtstustunde vorbei geht. Schön war’s!«

24.01.2021 Gabriele Eberl Aussicht