08:00 Uhr I Rainer Janicki

»… drei Tauben stolzieren gurrend auf dem Kaminrand. Eine Krähe krächzt krähend vorbei. Warum sind die Antennen nicht längst wieder abgebaut? Im Haus gegenüber ist’s immer noch dunkel. Kinder werden von links nach rechts und umgekehrt geschoben. Ein Porsche kommt aus der Tiefgarage und fährt laut röhrend davon. Dort kommt jemand vom Bäcker, ein anderer geht offensichtlich ins Büro. Die Müllabfuhr kommt, dahinter wartet ein Taxi. Dort geht jemand mürrisch gegen den Wind, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Hände in den Taschen vergraben. Der Radfahrer aus der Gegenrichtung freut sich über die Unterstützung. Eine Mutter fährt mit dem Kinder-Carrier telefonierend, gestikulierend durch die Straße. Das Hotel, vermutlich ein Spekulationsobjekt, ist geschlossen. Die Spesenritter sind weitergezogen, ihr blechernes Abbild verstaubt im Foyer. Der Schnee wird vom Regen fortgespült, zwei Bäume warten auf bessere Zeiten. Das Geschäft gegenüber auch. Es blinkt, das Torgitter gleitet gemächlich auseinander und lässt den Tag hinein. Jetzt klart auch der Himmel auf. Das Leben ist draußen und zugleich in mir.«

14.01.2021 Rainer Janicki Aussicht