15:31 I Loïs Bégué

München-versum

Prolog
Eine Galaxie, eine Sonne, ein Planet, ein Kontinent, Berge, ein Fluß… eine Straße, ein Haus, eine Etage, ein Raum, ein Fenster. Da stehe ich nun. Was sehe ich, was verspüre ich, wann, wie lang?

Act 1
Es wird bald dunkel. Doch könnte ich meine Augen schließen und würde genauso viel sehen… Unzählige Dächer, Türme, Plätze, Statuen, die sich als Horizont profilieren. Unzählige Straßen, Bäume, Laterne, Fassaden, die sich in ihre Tiefe profilieren. Unzählige Fenster, alle verschlossen, denn es ist kalt draußen, manche bleiben auch den ganzen Tag dunkel, andere sind beleuchtet. Ich erahne flüchtige Schatten…

Act 2
Bäcker, Ärztin, Mechaniker, Professor, Sängerin, Journalist, Frisör, Wirt, Informatiker… Das sind wir, wenn wir das Haus verlassen. Doch Heute ist Sonntag, viele von uns dürfen heim blieben. Anyhow, wir sind alle Menschen.

Act 3
Ein Hund jault, Krähen landen auf der Kastanie im Hof. Kinder kommen vom Spaziergang nach Hause zurück. Gelächter. Jemand spricht laut, es könnte japanisch sein. Die Pizzeria wird bald den Ofen anmachen, mir fällt ein, es ist noch Weißwein im Kühlschrank… So viele Menschen, so viele Kulturen, Berufe, Alter, Erfahrungen und doch leben wir alle beieinander, untereinander, miteinander. Ja, sogar über die Zeit: Wer hat hier vorher gewohnt, wer hat das Haus gebaut, wer hat diese Bäume gepflanzt…? Ich fühle mich mit all diesen Menschen verbunden, mit dem Gestern, mit dem Heute und mit dem Morgen. In dem ich darüber nachdenke, bilde ich unzählige Brücken. Brücken über die Isar, zwischenmenschliche Brücken, Brücken der Kulturen, Brücken zwischen Tag und Nacht…

Epilog
München?
Das bin ja ich! Das bist auch Du! Das sind wir all… hier und jetzt: ein Multiversum.