15:24 Uhr I Thomas Zunterer

»Anfahrt durch Schneetreiben. Es ist kalt, hier oben auf dem Nockherberg. Stehen geht trotz Impfschaden.(… auf Heimfahrt nach Grippeimpfung im November gestürzt, Bänderriss).

Sehe den Dom mit dem Christkindl, das mein verstorbener Vater geschnitzt hat. Gestern die Christmette gestreamt. Rechts das alte  Rathaus mit dem Moriskentänzer von meinem Firmpaten. Hässliches Gebäude versperrt Blick auf das ‚Straußoleum‘ mit dem Amigostüberl vom ehemaligen Nachbarn Max Streibl. Viele Kräne unter und hinter mir. Auf einem steht ein blinkender Christbaum.

Ob in den Baucontainern Arbeiter über Weihnachten sind? Unten fährt die Tram 18 (ca. 10 mal) vorbei. So viele Baudenkmäler, Stelen, um uns unsterblich zu machen. Wie Facebook heute. Neben mir ein gebückter alter Mann, der auch schaut. Frage mich, wie oft wohl schon und wie oft noch. Spaziergänger, Paare, Familien, Einzelne. Komisch, keiner hat einen Schirm. Viele haben Mützen und schicke Hüte auf. Neben mir ein Vater, der seinen posenden Sohn fotografiert; Panik: wird er mich fragen, dass ich beide zusammen fotografiere?; ich darf ja nicht. Schon die Hand am Zettel in der Jacke mit erklärenden Infos zum Türmer-Projekt. Aber sie gehen weiter, ohne mich zu fragen.

In der Ferne raucht ein Schornstein vor dem Turm der Frauenkirche. Das Isartor, gebaut nach Stadtbrand 1327 ist leider auch hinter  dem hässlichen großen Gebäude. Gebaut von Kaiser Ludwig dem Bayern, der liegt exkommuniziert im Dom unter der Abbildung eines Mörders aus seiner Familie, Herzog Ernst – ‚Agnes Bernauer‘. Zeug, Gebäude, Kunst, Kunstwerke bleiben länger, als man lebt. Sünden werden vergessen. Unten auch mein AG, Feuerversicherer; hat nach 1834 in Reichenhall den Wittelsbachern viel gezahlt nach großem Stadtbrand. Zum Glück rechtzeitig gegründet vom ‚guten‘ König Max (I). Kaum andere waren dort versichert. … Warmer Abriss? Hinter mir Paulaner. Die Krähen und Elstern streiten laut um die Schlafplätzen in den Bäumen.«

25.12.2020 Thomas Zunterer Aussicht