15:20 Uhr I Michael Amtmann

»Keine Sonne. Kein Sonnenuntergang. Nur Nebel, der langsam einen Baukran von oben nach unten verschlingt. Alles ist still. Keine Bewegung. Bis auf die kleinen Geister, die aus den Schornsteinen steigen und ständig ihre Gestalt verändern.

Die Menschen haben sich in die Häuser verkrochen. Wache ich über sie? Beschütze ich sie? Sie wollen sicher nicht bewacht werden. Wollen sie beschützt werden?

Ein Nachbar bringt zweimal Müll raus. Er sieht mich und wirkt eher irritiert. Auch für mich ist das neu. Noch nie bin ich eine ganze Stunde einfach nur dagestanden. Zumindest kann ich mich nicht erinnern. Ein gutes Gefühl. Die Zeit wird immer weniger wichtig. Ich spüre eine Wärme – und eine Verbundenheit, mit dieser Stadt und ihren Menschen.

Fast etwas zu abrupt holt mich die Musik des Handy-Timers aus der Türmer-Stunde. Herman Brood, der alte Kumpel von Nina Hagen, singt „I blew my cool over you“. Stimmt diesmal nicht. Zumindest nicht für mich. Ganz im Gegenteil.«