7:59 Uhr I Ulrich Francke

»Dachgeschoß, 3. Stock, hinter der Scheibe, öffne das Fenster, aufsteigende Duschschwaden von unten, edler, nicht definierbarer Duft. Beseelt von der Melodie »Jealous Guy«. Die Straße wirkt verschlafen, lockdown, keine der Schule zustrebenden Autos und Schüler wie sonst üblich. Ein Fußgänger im Stechschritt mit Blick auf sein Smartphone. Möchte es ihm aus der Hand schießen. Friere, schließe das Fenster, es fehlt das Hörerlebnis. Betrete den Balkon, SW-Seite, ein Lärmteppich bohrt sich wie eine Faust in meinen Magen…!! Wieder zurück, ein Marienkäfer krabbelt auf der Scheibe, nehme Kontakt zu ihm auf. Auge meldet an Hirn: Langbeinige Joggerin mit wehendem Pferdeschwanz… Drei Stockwerke tiefer das ausgehobene Bett des Hachinger Baches, ohne Wasser, seit über 20 Jahren. Träume mir eine Ente sowie ein Hai-Pärchen hinein. Wildgänsezug, 4 an der Zahl, mit schrillem Schrei! Tatsächlich nach Norden… In Ermangelung eines Hornes, in das ich jetzt gerne stoßen wollte, höre ich mich blubbern: Nutacktum büktal, nurbur extal böcktel, wat kut or butan summ, für Klafter Kracktull. Ohmmmm.«

17.1.22020 Ulrich Francke Aussicht