7:56 Uhr I Ralf Otto

Stehen, sitzen (ich werde morgen operiert und kann nicht durchgehend stehen), schauen, hören, riechen, spüren – hinein und hinaus. Wie immer – schön. Ich weiß nicht, wie es im »Turm« gewesen wäre aber hier, bei mir zu Hause ist es eine gewohnte Achtsamkeitsübung. Ich stehe, ich nehme mich wahr – mit allen Sinnen, richte dann den Fokus nach außen und immer wieder überraschend, die Vielfalt im Alltäglichen. Als Performer erinnert mich dieses Konzept an die Readymades von Duchamp. Hier verorten wir eine gewöhnliche Alltagshandlung – eine Achtsamkeitsübung – in einen künstlerischen Kontext. Die Aufgabe für mich als Performer war es, zu fühlen mit allen Sinnen. Gerne, immer wieder, gerne. Ein zutiefst intimer Vorgang. Darüber zu berichten, also mein Privates der Öffentlichkeit zu zeigen, war die zweite Aufgabe. Ich habe für mich entschieden, dies nicht zu tun, obwohl ich es interessant fände, dass wir uns gegenseitig sichtbar machen. Allein der Rahmen, den ich als ungeschützten Raum erlebe, verleitet mich zur Inszenierung. Ich lass es dabei: Ich stehe an einem Fenster, ich schaue, höre, rieche, spüre hinein und hinaus. Manchmal denke ich.